Direkt zum Hauptbereich

Live: Spiral Drive

Für uns ist eine intensive Festival-Saison zu Ende. Nun gilt es, die heimische Musikszene wieder etwas mehr zu genießen. Naja, die im Sommer gesammelten CD's zu katalogisieren, entscheiden welche Patches auf die Kutte kommen... Was man eben so macht.

Spiral Drive - Unity
Aber ganz ohne Live-Mucke geht es auch nicht. Also mal geschaut, was in direkter Umgebung so passiert. Der erste Blick geht dann Richtung des Rock Centers Bremerhaven und siehe da: Spiral Drive (supported von Falcons) gibt sich die Ehre. Space Rock... hmm. Das ist jetzt nicht so Metal, aber ich habe ja schon anklingen lassen, dass ich der Progressive-Szene sehr zu getan bin. Also warum nicht? Ich war schon sehr neugierig und nach dem ersten Video stand der Entschluss fest: Da gehen wir hin. Ich hatte das Gefühl, dass mir älterem Semester eine Zeitreise in die siebziger Jahre bevorsteht. Da war ich zwar noch Kind, aber David Bowie oder Pink Floyd waren mir schon ein Begriff.

Los geht es... Zuerst waren wir aber spät dran. Im Nachhinein tut es mir leid, dass wir nicht mehr vom Support Act, den Falcons, mitbekommen. Die erst im Februar 2019 gegründete Bremerhavener Band hat eine solide und gefällige Leistung abgeliefert. Ich war aber noch nicht ganz richtig da, es wäre unfair eine Bewertung abzugeben. Nur soviel: Ich bin neugierig geworden. Die Band beschreibt sich selbst als Punkrock-Combo. Vielleicht mit einer Tendenz zum Grunge. Muss ich mal genauer gucken. ähmm... hören.

Nach einer kurzen Umbauphase waren die Spacerocker Spiral Drive dann ready for take off. Wir alten Menschen haben uns auf den Balkon gegenüber der Bühne verzogen und waren gespannt. ...und wurden nicht enttäuscht. Das was Spacerock ausmacht, dieses Erzeugen einer intensiven Atmosphäre, gelang den vier Jungs von Anfang an. Spielfreude, technisches Können und natürlich die tolle Soundanlage des Rock Centers haben mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Kennt Ihr dieses seltene aber geile Gefühl, wenn man so tief in die Musik eintaucht und nichts anders mehr wahrnimmt? War so... Insbesondere die langen ausgefeilten und abwechslungsreichen Stücke habe es mir angetan. Ruhige, psychedelische und extrem chillige Passagen mündeten in harten Riffs, die schon mehr als Hardrock waren. In dem einem Moment driftet man von der Musik geleitet fast in Trance und bemerkt gar nicht, dass dich die Band mittlerweile mit harten Riffs zuballert. Selten so einen Wow-Effekt gehabt. In ihrer eigenen Beschreibng gibt die Truppe an, Spacerock mit einem hypnotischen Effekt zu präsentieren. Als eingeborener Norddeutscher gebe ich mal ein ekstatisches "Jo!"

Wie ich gelesen habe, besteht die österreichisch-deutsche Band aus mehr als nur den vier Jungs auf der Bühne. Mittlerweile weiß ich auch, wer gerade da war (Danke, Raphael!). Es war eine gut aufeinander eingespielte Band, das steht fest. Sänger und Leadgitarrist Raphael Neikes bestach mit Spielfreude und einer sanften Tenorstimme, die wunderbar zur Musik passt aber auch rau sein kann. Bassist David Knevels spielte eine präsenten und anspruchsvollen Bass, der wichtige Akzente setzte. Immer hör- und spürbar aber nie zu dominant, um den Soundteppich der Band zu überlagern. Drummer Michael Nowatzky ist wohl die coolste Sau der Truppe. Sauber, klar und die ganze Zeit wirkte er so gechillt, als würde er am Strand sitzen. Tja, und Synti-Man Andi Haslacher war für mich, der ich selbst Tastenquäler bin, das Highlight. Ok, es war mir klar, dass Tasten da rum stehen, ist ja Spacerock und da kommt sowas halt nicht vom Band, sondern es ist noch echt. Aber selten jemanden gesehen, der so enthusiastisch und entrückt die Tasten streichelt. Dazu noch die Backing Vocals, einmal auch Lead Vocals, ein Saxophon gezückt... Respekt, Hut gezogen!

Für mich persönlich war es die intensivste musikalische Erfahrung in diesem Jahr. Danke ans Rock Center, dass Ihr die Jungs hergeholt habt. Mittlerweile habe ich während des Schreibens Spiral Drives Debut Album "Unity" mehrfach gehört. Ich kann es nur ans Herz legen. Es ist etwas ruhiger als eine Live Session, mehr psychedelisch. Auf der Bühne geht die Band noch mehr ab und ich bin froh, dass ich die Live-Scheibe gleich mitgekauft habe.

Ich habe nicht eine Sekunde des Konzerts verpasst und es war eine Zeitreise. Ich musste oft an David Bowie denken,auch Pink Floyd oder Rush. Spiral Drive hat aber seinen eigenen Stil der moderne Akzente in diesem Genre setzt und den Spacerock in meinen Augen und für mich persönlich auf eine neue Stufe gehoben hat.

In diesem Sinne, schönen Tag noch, ich geh noch mal mit Spiral Drive chillen. Headphones on!

Weitere Infos zum Vertiefen:



Spiral Drive:
FB: www.facebook.com/spiraldrive/
Instagram: www.instagram.com/spiral_drive/
Soundcloud: soundcloud.com/user-664741012
Bandcamp: spiraldrive.bandcamp.com

Falcons:
FB: www.facebook.com/FalconsBand.Offical

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Live: Knightfest 2019

Es scheint das Schicksals unseres Metallebens zu sein: Vor jedem kleineren Festival findet irgendeine Party oder anders geartete Freizeitveranstaltung statt, die die Herstellung der Fahrtüchtigkeit erfordert und somit ein verspätetes Erscheinen unsererseits garantiert... Irgendwie kacke... Egal, da muss man hin. Der veranstaltende Metal-Club Knights of Thor hat uns schon im Oktober 2018 auf das Benefizfestival zugunsten des Kinderhospizes Sternenbrücke hingestupst. Dann also lieber zu spät ankommen als gar nicht, oder? In Hamburg-Harburg angekommen war die Parkplatzsuche ja mal kein Problem, selbst als Nachzügler waren maximal 500 Meter zu laufen. Das Festival selbst fand auf dem Gelände der Tipsy Apes, einem Metal-Club aus Hamburg, statt und die haben da wirklich ein Sahnestück. Bühne, Buden, Toiletten... Alles da. Es war schon interessant, bei der Vorbeifahrt am Eingang haben wir bis auf entsprechend ausstaffierte parkende Autos eigentlich nichts vom Festival gesehen. Umso f...

Coast Rock 2017, Emden

Das eine Hobby ist wirklich nur noch Freizeitbeschäftigung und es bleibt wieder Zeit für andere Dinge. Andere Dinge, die auch Spaß machen. Nachdem wir total schreibfaul waren und uns Berichte über Hellfest und Wacken erspart haben, hier mal was "kleines feines". Das Coast Rock Festival in Emden ist nun eine ganz andere Hausnummer. Viel kleiner und geschätzt nicht mal 1.000 Besucher. Aber geil! Familiär, entspannt, locker und an einem Tag abgehakt. Blöd ist nur, wenn das das andere Hobby -Eishockey- einem etwas die Tour vermasselt. Ein Heimsieg hat uns in der lokalen Eishockeykneipe noch etwas beschäftigt und die Fahrtüchtigkeit musste erst einmal hergestellt werden. Also ab in die Pommesbude (=Wohnmobil) und los gehts. 130 Kilometer sind doch irgendwie schnell bewältigt. Auf die im Vorfeld gestellte Frage, wo man sich denn hinstellen könne, kam die Antwort: "Fragt mal nach Uwe, wenn ihr da seid". Uwe war nicht zu finden, aber wie erwartet hat es geklappt. Fami...

Live: Leprous im Luxor (Köln, 30.10.2017)

Wie soll ich sagen, ich mache es mal norddeutsch kurz: Ouhauerha... Ernsthaft, es war anstrengend. Das lag vielleicht nur an den drei intensiven Tagen im Vorfeld, die wir mit Eishockey und Freunden verbrachten. Die norwegische Band Leprous verlangte mir vor ausverkauftem Haus in jedem Fall einiges an Konzentration ab. Ich mag ja Prog unheimlich gerne und genieße es unheimlich, in einem Song gleich mehrere Stücke zu hören. Leprous hat da wirklich was auf dem Kasten. Nach einer Stunde wusste ich nicht mehr, ob ich fünf oder 34 gehört habe. Voller Sound mit allem, was dazu gehört, technisch sehr ansprechend und irgendwie ein große Bandbreite von Synthis bis zu Metalriffs. Was mich letztlich irritiert hat, war die hohe Stimmlage des Sängers Einar Solberg. So stelle ich mir eine gelungene Jam-Session vor, bei der Morten Harket von a-ha vorbeischaut.  Ach ja... ist ja auch Norweger. Ich glaube, ein Norweger mit einer tiefen, sonoren Stimme würde mich aktuell auch gerade irritieren...